Die Boat People
Erfahren Sie mehr über die Flucht der Boat People aus Vietnam und wie das FSG dazu beigetragen hat, ihnen eine gute Zukunft zu ermöglichen.
Wie entstand der Vietnamkrieg?
Der Küstenstaat Vietnam liegt in Südoastasien auf der Ostseite der Indochinesischen Halbinsel und grenzt somit a das Südchinesische Meer.Die Nachbarländer sind im Norden China und im Westen Laos und Kambodscha. Das Land ist ca. 331.000km2 groß und ist, aufgrund der Lage, anfällig für tropische Wirbelstürme.
Im Zweiten Weltkrieg besetzte Japan Vietnam. Die französische Regierung, welche die Kolonialmacht war, erlaubte dies und arbeitete mit Nazi-Deutschland zusammen. Ab 1943 kämpfte die Widerstandsgruppe „Viet Minh“ gegen die japanischen Besatzer. Diese Gruppe wurde 1941 von dem kommunistischen Politiker Ho Chi Minh gegründet, um Vietnam von fremder Herrschaft zu befreien und unabhängig zu machen.
Als Deutschland 1945 kapitulierte und Japan im Krieg immer schwächer wurde, nutzen die Viet Minh dies aus und übernahmen im Norden Vietnams die Macht.
Am 02.09.1945 erklärte Ho Chi Minh in Hannoi die Unabhängigkeit Vietnams und gründete die Demokratische Republik Vietnam.Er wurde auch der erste Präsident. Die Franzosen versuchten jedoch weiterhin, wieder koloniale Ansprüche geltend zu machen. Ab 1950 wurden die schlecht ausgerüsteten Vietnamesen von China militärisch unterstützt, während die Franzosen Hilfe von den USA erhielten. Der sogenannte „Indochinakrieg“ (zur Zeit der französischen Kolonien hieß Vietnam Indochina)endete im Mai 1954 mit der französischen Niederlage und es wurde im Juli 1954 ein Waffenstillstand ausgehandelt. Somit war die Kolonialherrschaft der Franzosen in Vietnam beendet.
Entlang des 17. Breitengrades wurde das Land geteilt: Im Norden entstand das kommunistische Nordvietnam mit der Hauptstadt Hanoi. Es wurde von China und der Sowjetunion mit Waffen unterstützt. Im Süden entstand Südvietnam mit der Hauptstadt Saigon. Dort herrschte eine antikommunistische Militärregierung unter dem letzten Kaiser Bao Dai, die von den USA unterstützt wurde. Zwischen Nord- und Südvietnam kam es weiterhin zu Konflikten und Kämpfen, da beide Seiten sehr unterschiedliche politische Ziele hatten. Während im Süden hauptsächlich Chaos und Anarchie herrschten, ging es im Norden unruhig und brutal zu.
Diese Teilung war nur ein provisorischer Plan, um die Zeit bis zu den freien Wahlen zu überbrücken und die Hoffnung auf Frieden nicht zu verlieren.
Der Plan, Vietnam 1956 durch gemeinsame Wahlen wieder zu vereinen, wurde nicht umgesetzt. Südvietnam und die USA waren dagegen. US-Präsident Dwight D. Eisenhower hatte Angst, dass der Kommunismus sich weiter in Südostasien ausbreiten könnte, wenn die Viet Minh auch Südvietnam übernehmen würde. Diese Idee nennt man „Domino Theorie“. Wenn ein Land kommunistisch wird, könnten andere Länder folgen.
Deshalb unterstützt die USA die antikommunistische Regierung des südvietnamesischen Präsidenten Diem mit Militär, Beratern und Geheimdiensten. So waren die USA schon früh indirekt am Vietnamkrieg beteiligt.
Ab 1957 kämpften nordvietnamesische Viet-Minh Gruppen im Süden Vietnams in Guerilla-Kämpfen. Mehrere Gegner schlossen sich 1960 der südvietnamesischen Regierung zur „National Liberation Front“ (NLF) zusammen. Diese Gruppe wurde meist „Vietcong“ genannt. Die unzufriedene Bevölkerung akzeptierte dies schnell.Der Vietcong wurde von China und der Sowjetunion unterstützt. Dadurch wurde der Bürgerkrieg immer grausamer.
Die Zahl der beteiligten US-Soldaten stieg stark an: Unter Dwight D. Eisenhower waren es weniger als 1000 Soldaten, unter Kennedy schon mehr als 16000. Die Lage wurde in Südvietnam trotzdem immer schlechter und es gab immer mehr Streit wegen der autoritären Regierung. Am 02.11.1963 wurde der südvietnamesische Präsident Diem von eigenen Soldaten getötet. Drei Wochen später wurde auch Kennedy (Präsident der US) bei einem Attentat getötet.
Nach John F. Kennedy wurde Lyndon B. Johnson Präsident der USA. Er übernahm eine schwierige Lage in Südvietnam: Die Politik war instabil und es gab viele Kämpfe. Obwohl Johnson sich eigentlich mehr um Probleme in den USA kümmern wollte, wollte er Südvietnam nicht aufgeben. Die NLF nutzte die Unruhen, um stärker gegen Südvietnam zu kämpfen. Im August 1964 kam es zum sogenannten Tonkin-Zwischenfall vor der Küste Nordvietnams. Die USA behaupteten, nordvietnamesische Boote hätten den US- Zerstörer „Maddox“ angegriffen. Ein zweiter angeblicher Angriff stellte sich später wahrscheinlich als falsch heraus. Trotzdem beschloss der US-Kongress die „Tonkin-Resolution“. Dadurch durfte Präsident Johnson direkt militärisch in Vietnam eingreifen.
Der Vietnamkrieg begann.
Im Februar 1965 begann die USA mit der „Rolling Thunder“. Dabei bombardierte die US Air Force Nordvietnam. Im März kamen die ersten US-Bodentruppen nach Südvietnam. Im November 1965 fanden im la-Drang -Tal die ersten großen Kämpfe zwischen US-Soldaten und der NLF statt. Die Zahl der US-Soldaten stieg in Vietnam schnell an. Ende 1965 waren etwa 184000 Soldaten dort und drei Jahre später schon über 500000.
Es beteiligten sich auch andere Länder am Vietnamkrieg. Südvietnam und die USA wurden von Südkorea, Thailand, den Philippinen, Australien und Neuseeland unterstützt. Nordvietnam und die NLF bekamen Hilfe von China. Nach chinesischen Angaben kämpften mehr als 300000 chinesische Soldaten mit.
Der Krieg breitete sich auf die Nachbarländer Laos und Kambodscha aus.
Schon im April 1965 gab es in den USA die ersten großen Studentenproteste gegen den Vietnamkrieg. Diese Proteste wurden für viele junge Menschen sehr wichtig und breiteten sich immer mehr aus, bis im Oktober 1969 etwas zwei Millionen Menschen im ganzen Land gegen den Krieg demonstrierten.
Auch in Musik, Filmen und anderen Bereichen wurde der Protest ein wichtiges Thema und die Medien berichteten viel darüber. Eine besonders große Rolle spielte dieser Krieg auch in den westlichen Ländern.
Trotzdem versuchten die USA jahrelang, ohne Erfolg, den Krieg militärisch zu gewinnen. Aus diesem Grund begann Nordvietnam Ende Januar 1968, während des vietnamesischen Neujahrsfests Tet, zusammen mit der NLF, eine Überraschungsattacke. Militärisch scheiterte diese, jedoch glaubten viele Menschen in den USA, dass der Krieg nicht gewonnen werden konnte.
Richard Nixon wurde 1969 US-Präsident und verfolgte die Strategie der „Vietnamisierung“ des Krieges. Südvietnam sollte ohne US-Hilfen gegen die Truppen aus Nordvietnam kämpfen. Dies geschah langsam durch eine Verringerung der US-Soldaten und eine Vergrößerung der südvietnamesischen Truppen.
Ab dem Jahr 1968 fanden Friedensgespräche in Paris statt, bis am 27.01.1973 das Pariser Abkommen unterzeichnet wurde, in dem der Konflikt beendet werden sollte. Im gleichen Jahr verließen die US- Truppen das Land und es kämpften „nur noch“ die nord- und südvietnamesischen Truppen gegeneinander. Südvietnam konnte dem Druck jedoch nicht standhalten, weshalb am 30.04.1975 die Hauptstadt Saigon fiel und Vietnam kommuntistisch wurde. Im Jahr 1976 folgte die Wiedervereinigung von Nord und Südvietnam zur „Sozialistischen Republik Vietnam“.
In diesem Krieg starben zwei bis fünf Millionen Vietnamesen und es leiden noch heute zahlreiche Menschen unter den Folgen des dort eingesetzten chemischen Kampfmittels Agent Orange. Das Land war verwüstet und viele Südvietnamesen wurden nach dem Krieg getötet oder kamen in Lager, in denen sie „umerzogen“ wurden. In diesen „Umerziehungslagern“ wurden sie gewaltsam gezwungen, sich zur kommunistischen Weltanschauung zu bekennen.
Auch für die USA brachte es Folgen mit sich, denn es war der erste Krieg, den sie verloren hatten.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es in dem Krieg für die Südvietnamesen und die USA darum ging, den Kommunismus in Nordvietnam aufzuhalten. Jedoch ging es Nordvietnam eher um die Verbreitung des Kommunismus und auch eine Vereinigung von Vietnam. Durch diese Unstimmigkeiten kam es zu einem Krieg, der viele Menschenleben kostete.
Nice to know:
Ende des 18. Jahrhunderts, kurz nach der Französischen Revolution, war der Einfluss der Franzosen auf das Kaiserreich Vietnam groß. Durch die Unterstützung der Europäer kam die Nguyen-Dynastie an die Macht. Die Franzosen übten immer mehr Druck auf das Kaiserreich aus, weshalb die armen Bevölkerungsschichten sich durch gewaltsame Unruhen bemerkbar machten, da sie sich gegen diese französische Macht aussprachen. Frankreich eroberte immer mehr vietnamesische Gebiete, bis es 1883 über das ganze Land herrschte. Auch die Europäer nutzten das Land, indem sie eine Kolonialverwaltung errichteten.
Die Franzosen nutzten die Menschen dort aus, indem sie diese zum Beispiel hart arbeiten ließen. Viele Menschen starben an Unterernährung oder Krankheiten.
Es kam zu Widerständen der Bevölkerung gegen diese Kolonialmacht, welche ab 1927 (Zeit der Weltwirtschaftskriese) immer mehr wurden und trotzdem unkoordiniert blieben. 1930 wurde ein Aufstand blutig niedergeschlagen.
Warum und wie flohen die Vietnamesen?
„Lieber würde ich im Meer oder im Wald sterben, als weiter unter einem grausamen, bösen Regime, wie es die kommunistische, vietnamesische Diktatur augenblicklich ist, zu leben.“
Diese Aussage trifft die Gedanken vieler Vietnamesen nach dem Ende des Vietnamkriegs.
Der 30. April 1975 ist ein schwarzer Tag in der Geschichte Vietnams, obwohl der Krieg nun ein Ende hatte und Nord- und Südvietnam vereint waren - allerdings unter kommunistischer Herrschaft.Viele Menschen hatten die Hoffnung auf ein besseres und glücklicheres Leben. Sie dachten, dass sie nun wie in einer Art Demokratie zusammenleben, in der sie gegenseitigen Respekt zeigen und in Freiheit und in Frieden leben können. Durch den Krieg waren große Teile Vietnams zerstört, weshalb sie hofften, dass Süd- und Nordvietnam sich die Hände reichen und sich die Arbeit zum Aufräumen und Aufbau teilten.
Dies war allerdings eine Illusion, denn es kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass die kommunistische Diktatur ihr Leben bestimmte: Bürger wurden enteignet und die Polizei übte physischen und psychischen Druck auf alle Bevölkerungsschichten aus. Auch das Leben der vietnamesischen Bürgerinnen und Bürger wurde eingeschränkt, da die kommunistische Regierung den Freimarkt abschaffte und südvietnamesischen Musik und Bücher vernichtet wurden. Insbesondere an den Befürwortern der Regierung der Republik Vietnam wurde Rache ausgeübt, indem sie in „Umerziehungslager“ oder „Neue Ökonomische Zonen“ geschickt wurden.
In diesen „Umerziehungslagern“ sollte das Gedankengut der Menschen „umgedreht“ werden, damit sie den kommunistischen Gedanken und der Diktatur folgten, ohne Proteste. Der Zeitzeuge Kim Tan Dinh berichtete von dem Altag in „Umerziehungslagern“. Er vergleicht sie mit Konzentrationslagern in der NS-Zeit und erklärt, dass es vom Kopf her sehr schlimm gewesen sei, unterdrückt zu werden und sie mit Übermüdung leben mussten. Zu essen habe es jeden Tag Reis gegeben, während sie 10-12 Stunden am Tag arbeiten mussten. Sie hätten sich selbst kritisieren müssen, indem sie sich in einem Brief beispielsweise für den Dienst im Militär der republikanischen Seite entschuldigten und um Verzeihung von der kommunistischen Partei bitten mussten.
Viele Menschen seien nach Hause geschickt worden, wenn sie so krank gewesen seien, dass sie sonst im „Umerziehungslager” gestorben wären.
Die Partei hätte die "Umerziehungslager" errichtet, weil sie große Angst vor dem eigenen Volk gehabt hätte.
Ungefähr 2,5 Millionen Personen wurden meist ohne Grund eingesperrt und etwa 165.000 starben in den „Umerziehungslagern“. Tausende wurden zu Tode gefoltert oder vergewaltigt. 200.000 Südvietnamesen wurden hingerichtet und 50.000 wurden durch Sklavenarbeit in den „Neuen Ökonomischen Zonen“ ermordet.
Dadurch, dass die Angst vor den Kommunisten immer größer wurde, fassten viele Vietnamesen den Entschluss, das Land mit einem unbekannten Ziel „planlos“ zu verlassen. Sie erhofften sich ein neues, freies Leben, ohne ständigen Terror und ohne Furcht. Viele junge Männer fürchteten den Tod an der Front in dem Krieg, der zwischen Vietnam und Kambodscha ausgebrochen war. Andere hatten Angst, wegen ihres christlichen Glaubens verhaftet zu werden. Einige Menschen versuchten, das Land zu verlassen, weshalb die Regierung die Grenzen abriegelte.
Aus diesem Grund versuchten sie mit kleinen Booten über das östliche Meer (Südchinesische Meer) ins Ausland zu gelangen, weshalb diese Menschen auch „Boatpeople“ genannt wurden. Viele Boote waren nur zehn bis zwölf Meter lang und zwei Meter breit und es fanden dort mindestens 30-40 Flüchtende Platz. Diese Boote wurden häufig „Nussschalen“ genannt.
Ein Vietnamese, Chi Dung Ngo, berichtete in einem Interview von seiner Flucht. Im Juni 1979 floh er (als Teenager) mit 241 Vietnamesen und Vietnamesinnen auf einem kleinen Fischerboot aus Vietnam. Seine Eltern hätten die Flucht organisiert und gehofft, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Wegen der Arbeit seines Vaters für die südvietnamesische Regierung habe die Familie nach dem Krieg als unerwünscht gegolten. Sieben Tage lang sei er in dem überfüllten Boot auf dem Meer unterwegs. Viele Menschen seien seekrank geworden, der unerfahrene Bootsführer habe die Orientierung verloren. Schließlich habe ein Öltanker die Flüchtenden am siebten Tag gerettete und auf eine indochinesische Insel ins Lager „Gelang“ gebracht. Nach vier Monaten habe Chi Dung schließlich Asyl in Deutschland erhalten, obwohl er ursprünglich lieber nach Amerika wollte. Viele andere Flüchtende hatten weniger Glück: Über 500.000 Menschen starben oder verschwanden auf der Flucht, oft durch Hunger, Stürme oder Piratenangriffe.
Solche Fluchtpläne mussten heimlich passieren, damit zum Beispiel Nachbarn oder andere Mitmenschen nichts mitbekommen konnten. Die Menschen konnten meistens nicht schwimmen und waren ohne irgendwelche Hilfsmittel zur Orientierung unterwegs.
Bereits nach einigen Tagen auf den "Nussschalen" hatten die Flüchtlinge meist nichts mehr zu essen und zu trinken und wurden von Piraten beklaut.Auch Kinder wurden auf hoher See geboren.
Ein anderer vietnamesische Flüchtling beschreibt, dass er als Kind zusehen musste, wie ein Pirat seine Mutter vor seinen Augen umgebracht hat.
Auch in Europa gab es mehrere Projekte zur Unterstützung und Rettung der Flüchtlinge wie „Ein Schiff für Vietnam“, welches ein Rettungsprojekt eines privaten Hilfskomitees, unter der Leitung des deutschen Journalisten Rupert Neudeck, war. Sie liehen sich den Frachter „Cap Anamur“ und bauten es zu einem Hospitalschiff um.
Währenddessen wurden in Deutschland Spendenaufrufe gestartet und ein paar Wochen später erreichte das Schiff das östliche vietnamesische Meer. Auf dem Boot waren, neben dem Kapitän, Ärzte, Pfleger, Techniker und Logistiker.
Bei der Rettung musste man vorsichtig mit den Menschen umgehen, da sie sehr schwach und zerbrechlich waren. Sie durften nur ganz leichte Kost bekommen, da sie oft tagelang oder wochenlang nichts zu essen hätten und somit noch kränker geworden wären. Sie durften nach der Rettung auch nicht in klimatisierte Räume gebracht werden, da die erschöpften Vietnamesinnen und Vietnamesen es sonst nicht mehr überlebt hätten.
Rupert Neudeck plante nicht nur die Rettung der Flüchtlinge, sondern kümmerte sich auch um die Aufnahme in Deutschland. Ihm wurde vorgeworfen, dass seine Unterstützung dazu führen könnte, dass mehr Vietnamesen zur Flucht ermutigt würden und sich somit die Lage verschlimmern könnte. Die Hilfsorganisation hat einen Kompromiss mit den deutschen Behörden gefunden: nur Flüchtlinge, die direkt von der Cap Anamur aufgenommen wurden, durften nach Deutschland kommen. Somit konnten in den ersten drei Jahren 9.500 Bootsflüchtlinge gerettet werden.
Neben den von der Hilfsorganisation "Cap Anamur" geretteten Flüchtlingen befanden sich ca. 40 000 auf einem Quadratkilometer auf der malaysischen Insel „Poulo Bidong“. Sie lebten dort ohne Häuser, ohne Trinkwasser und mit minimaler sanitärer Versorgung.
Während die Medien die Lage weiterhin als „Hölle auf Erden“ bezeichnetern, forderte die UNO andere Staaten auf, aus humanitären Gründen vietnamesische Flüchtlinge aufzunehmen.
Der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter Unfallhilfe engagierten sich von 1979-1983 im Auftrag der Bundesregierung in der Betreuung der vietnamesischen Flüchtlinge in Südostasien. Nach der Ankunft oder Rettung in Malaysia bzw. Indonesien wurden die Flüchtlinge zunächst in Lagern untergebracht, dort betreut und medizinisch versorgt. Anschließend organisierten die Hilfsorganisationen ihre Weiterreise in verschiedene Länder. Dadurch konnten beispielsweise über die Botschaft in Jakarta jeden Monat mehrere hundert Flüchtende mit Pässen ausgestattet und nach Deutschland gebracht werden.
Elf Vietnamesen, genauer gesagt zwei Familien und ein Geschwisterpaar, kamen im Jahr 1986 nach Lippstadt. Sie berichteten von ihrer Reise auf dem neun Meter langen und zweieinhalb Meter breiten Holzboot, auf dem sie sieben Monate „lebten“. Sie erzählten, dass es dort gestunken hat, es dreckig war und sie sich nicht bewegen konnten. Die Vietnamesen flohen, weil sie in Vietnam ihren katholischen Glauben nicht mehr ausüben durften und sie die ständige Überprüfung und Unterdrückung nicht mehr ertragen konnten. Sie wurden von der Cap Anamur (2) gerettet. „Es gab auf dem Schiff zu essen, man konnte sich wieder bewegen -es ist so ein großes Schiff- das war der Himmel auf Erden.“ Die ist ein Zitat von Chan Vu, der einer der elf Vietnamesen war, die in Lippstadt unterkamen. Sie bekamen einen Dolmetscher zur Hilfe.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Boatpeople aus ihrem Heimatland flohen, weil sie Angst vor der kommunistischen Regierung und den sogenannten „Umerziehungslagern“ hatten, in denen viele Menschen festgehalten wurden. Viele Familien litten unter Armut und fehlender Freiheit. Aus diesem Grund versuchten zahlreiche Vietnamesen mit kleinen Booten über das Meer zu fliehen. Die Reise war jedoch gefährlich, da viele Boote überfüllt waren und sie durch Stürme, Hunger und Piraten bedroht waren. Das deutsche Rettungsschiff Cap Anamur half dabei, viele Flüchtlinge aus dem Meer zu retten.
Die Geschichte der Boatpeople zeigt, wie wichtig Freiheit, Hilfe und Menschlichkeit sind. Viele der geretteten Menschen begannen später ein neues Leben in Ländern wie Deutschland und integrierten sich erfolgreich in die Gesellschaft. Bis heute erinnert die Geschichte der Boatpeople daran, wie wichtig es ist, Menschen in Not zu helfen und Flüchtlinge zu schützen.
Rupert Neudeck Betten auf der Cap Anamur
Die Flucht
Die Integration der „Boat-People“ an unserer Schule
„Mit der Sprache hapert es noch.“
Dies ist die Überschrift aus der Tageszeitung “der Patriot” vom 09.07.1982, die sich auf die neun Vietnamesen bezog, die seit dem März 1982 das Rüthener Gymnasium besuchten. Sie waren zwischen 20 und 22 Jahren alt, hatten keine Papiere, aber wären sehr zielstrebig, das Abitur in Rüthen zu schaffen, um in Deutschland studieren zu können.
Die Vietnamesen kamen nach ihrer langen Reise in den „Nussschalen“ in Deutschland an. Viele von ihnen waren ohne Ausweise und ohne Kleidung. Sie waren glücklich, dass sie lebend angekommen waren. Um die deutsche Sprache zu erlernen, nahmen sie an intensiven Sprachkursen teil, die ca. ein Jahr andauerten.
Einige von ihnen hatten schon einen vergleichbaren Abschluss in Vietnam absolviert, brauchten jedoch das Abitur, um hier studieren zu können.
Durch das ehemalige Schülerheim (siehe Abschnitt dazu) und die Erfahrung mit den Aussiedlern, kam das heutige Friedrich-Spee-Gymnasium für viele Vietnamesen als Bildungseinrichtung in Frage. Sie konnten hier das Abitur absolvieren, werktags im Schülerheim wohnen und am Wochenende mit, z.B. dem Bus und dem Zug, zu ihren Familien in die anderen Städte fahren.
In einem Gebäude neben dem Altbau, welches heute nicht mehr existiert, lernten sie die Unterrichtsinhalte, die sie für die Oberstufe benötigten. Sie hatten sozusagen eine Klasse zu neunt, in denen sie in den vier Fächern, Geschichte, Englisch, Deutsch und Erdkunde, unterrichtet wurden. In anderen Fächern, wie zum Beispiel Mathematik und Chemie, fand der Unterricht zusammen mit den deutschen Mitschülerinnen und Mitschüler statt.
Ab der elften Klasse waren sie zu zwölft und es begann auch für sie der Unterricht in Kursen. Sie waren sehr stark in den naturwissenschaftlichen Fächern vertreten. Dies könnte unter anderem auch daran gelegen haben, dass sie in den Bereichen schon abgeschlossene Berufsausbildungen hatten, aber auch an der Sprache, denn in den Naturwissenschaften ist es leichter zu bewältigen.. Sie bekamen auch angepasste Klausuren.
Im Jahr 1985 machten die zwölf Vietnamesen ihr Abitur und konnten nun studieren gehen.
Das größte Hindernis für die vietnamesischen Schüler, die Lehrer und deutschen Schüler war die Sprachbarriere. Für die Lehrer war es schwer einzuschätzen, ob die Schüler ihnen folgen können und was sie schon für ein Vorwissen hatten.
Zwischen den vietnamesischen und deutschen Schülern entwickelten sich kaum Freundschaften, was auch an der Sprachbarriere gelegen haben könnte, jedoch gab es kaum Diskriminierungen, was ihre Herkunft anging. Zudem hatten die vietnamesischen Schüler kaum Zeit, da sie neben den Hausaufgaben und dem Klausurstoff auch noch die deutsche Sprache weiter erlernen mussten. Für sie blieb kaum Zeit zur freien Entfaltung. Die Möglichkeiten zum Erlernen der Sprache waren auch sehr gering, denn zu den damaligen Zeiten gab es die Möglichkeiten von Sprachapps auf dem Smartphone oder YouTube Videos noch nicht.Ein weiteres Problem war das Geld, denn sie bekamen nur sehr wenig Taschengeld von dem Heim und hatten auch keine Zeit, sich etwas dazu zu verdienen.
Die vietnamesischen Schüler waren sehr fleißig und zielstrebig, denn sonst hätten sie es nicht geschafft, in dieser kurzen Zeit so schnell die Sprache und den Schulstoff zu verarbeiten.
„Wir leben nicht um zu essen, sondern wir essen, um zu leben.“ Auch dieses Zitat eines vietnamesischen Flüchtling aus dem Jahr 1982 verdeutlich noch einmal besonders die kulturellen Unterschiede und den Ehrgeiz, den sie hatten.
Man kann aus heutiger Perspektive sagen, dass man einiges anders gemacht hätte. Damit die vietnamesischen Schüler mehr mit den deutschen Schülern in den Kontakt kommen, hätte man Gruppenarbeiten einführen können oder die Sitzordnung, mit Hilfe von Gruppentischen, verändern. Somit wären die vietnamesischen Schüler mehr mit den deutschen Schülern in den Austausch gekommen und es hätten sich mehr Freundschaften entwickeln können.
An unserer Schule wurde im Jahr 2018 ein Denkmal errichtet, um an die vietnamesischen Schüler zu erinnern, die von 1982-1988 an unserer Schule waren. Auf den Säulen des Denkmals sind jeweils zwei Skulpturen, die im Kunstunterricht von zwei vietnamesischen Schülern entstanden und erstellt worden sind. Herr Dr. Goy hat diese aufbewahrt und nun ausgestellt. Der junge Vietnamese stellte eine Kindheitserinnerung aus, die ihm nicht mehr aus dem Kopf ging. Die andere Skulptur war von einer jungen Vietnamesin, die eine Blüte gestaltete, um zu zeigen, dass sie ein neues Leben in Freiheit in Deutschland gefunden hat.
Zusammenfassend kann man somit sagen, dass die vietnamesischen Schüler eher wenig Kontakt mit den deutschen Schülern hatten, was auf die Sprachbarriere und die kulturellen Unterschiede zurückzuführen ist. Des Weiteren waren sie sehr lernwillig und hatten ihr Ziel vor Augen, worauf sie sich sehr stark konzentrierten. Eine Integration hat eher weniger stattgefunden, da die vietnamesischen Schülerinnen und Schüler eine Gruppe für sich waren und es nicht versucht wurde, mit Hilfe von verschiedenen Methoden, wie der Sitzordnung, die Schüler in Bekanntschaft zu machen. Jedoch waren alle sehr bemüht und haben ihre Hilfe angeboten.
In verschiedenen Interviews wurden die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Integration der Zeit der Boat people deutlich. Frau Siedhoff-Stelbrink und Herr Rikus berichteten aus der Perspektive der Mitschüler, wie sie die Integration und die Oberstufe mit den vietnamesischen Schülern wahrgenommen haben und Herr Dr. Bracht die Perspektive als Lehrer. Herr Toung war einer der ersten vietnamesischen Flüchtlinge und war in dem ersten Jahrgang mit vietnamesischen Flüchtlingen (Abijahrgang 1985).
Im Folgenden sind kurze Zusammenfassungen und die Interviews selber, die Sie lesen und hören können.
Denkmal (2018 am FSG erbaut)
Interview mit Herrn Tuong
Im Interview berichtet Herr Tuong von seiner Ankunft in Deutschland im Jahr 1980 als Flüchtling aus Vietnam. Zu Beginn hätte er kein Wort Deutsch gesprochen und musste ein Jahr intensiv die Sprache lernen, bevor er 1982 in die 10. Klasse unseres heutigen Friedrich-Spee-Gymnasiums in Rüthen gehen konnte. Die erste Zeit an der Schule sei äußerst herausfordernd gewesen, da die Sprachbarriere seine Teilnahme am Unterricht erheblich erschwert habe.
Das Lernen sei für ihn sehr anstrengend gewesen, da er nicht nur die Inhalte, sondern auch die Sprache lernen musste. Dank der Unterstützung der Lehrer habe er sich jedoch integrieren können. Trotzdem habe er oft das Gefühl gehabt, dass viele Informationen an ihm vorbeigegangen seien und er hart arbeiten musste, um mitzuhalten. Das Lernen habe sehr viel Disziplin erfordert.
Trotz aller Herausforderungen, die mit dem neuen Schulalltag verbunden waren, habe er es geschafft, 1985 sein Abitur abzulegen. Er betont die Wichtigkeit von Bildung und Selbstständigkeit, um in einem neuen Land zu leben und sich integrieren zu können. Während des Interviews reflektierte er auch über die kulturellen Unterschiede und vielen Schwierigkeiten, die er überwinden musste. Trotz dieser Hürden zeigte er jedoch eine positive Einstellung zu seinen Erfahrungen in Deutschland und zur deutschen Gesellschaft insgesamt, was ihn stolz mache auf das, was er erreicht habe.
Interview mit Herrn Dr. Bracht
Die Integration vietnamesischer Schüler an der Schule war von mehreren wichtigen Aspekten geprägt. Ihre Ankunft sei eine Überraschung für die Schule gewesen, die zuvor jedoch bereits Erfahrungen mit anderen Flüchtlingsgruppen gemacht habe.
Die größten Herausforderungen bei der Integration lägen in den Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden, die es den Schülern erschwerten, sich in das deutsche Bildungssystem einzufügen. Dies führe dazu, dass die vietnamesischen Schüler häufig in ihren eigenen Gruppen bleiben würden und nur wenig Kontakt zu deutschen Mitschülern hätten.
Der Unterricht würde als traditionell angesehen werden, mit einem starken Fokus auf Wissenstransfer durch die Lehrer. Die Lehrer hätten Schwierigkeiten, den Lernstand der vietnamesischen Schüler einzuschätzen, da viele von ihnen nicht ausreichend Deutsch sprachen und die Fachwörter oft unverständlich für sie seien. Während die Schüler in naturwissenschaftlichen Fächern tendenziell besser abschneiden würden, seien gesellschaftswissenschaftliche Fächer aufgrund der sprachlichen Anforderungen herausfordernder.
Der sozialen Integration fehle an strukturierten Maßnahmen, und die Schüler würden oft zurückhaltend sein, was die Interaktion mit deutschen Mitschülern erschwere. Um das Verständnis zu fördern und den Schülern zu helfen, müssten die Lehrer kreative Ansätze finden und andere Unterrichtsmethoden einsetzen.
Trotz dieser anfänglichen Herausforderungen könnte man eine positive Entwicklung der vietnamesischen Schüler beobachten. Viele von ihnen seien akademisch erfolgreich gewesen und hätten sich gut in die Gesellschaft integriert. Insgesamt würde sich aus dem Interview ergeben, dass die Integration dieser Schüler von diversen Schwierigkeiten, aber auch von einem gewissen Erfolg geprägt sei.
Interview mit Frau Siedhoff-Stelbrink
Andrea Siedhoff- Stelbrink berichtete, dass die vietnamesischen Schüler ganz normal behandelt worden seien und keine besonderen Unterschiede zu den deutschen Mitschülern erfahren hätten. Sie nahmen an gemeinsamen Unterrichtsstunden, Feiern und anderen sozialen Aktivitäten teil, was zu einem harmonischen Miteinander geführt habe.
Es wäre zu erkennen gewesen, dass die Schüler, auch wenn die Sprache anfangs eine gewisse Herausforderung dargestellt hätte, durch das freundliche und offene Verhalten ihrer Mitschüler gut aufgenommen worden seien. Sie betonte, dass die Unterschiede in Alter und Erfahrung, obwohl sie bemerkbar gewesen seien, nicht zu Distanz oder Konflikten geführt haben. Die Lehrer hätten eine wichtige Rolle gespielt, indem sie sich um ein unterstützendes Umfeld bemüht hätten.
Zusammenfassend konnte sie feststellen, dass die gegenseitige Akzeptanz und das Verständnis der verschiedenen Kulturen innerhalb der Schulgemeinschaft nicht nur die Integration der vietnamesischen Schüler gefördert habe, sondern auch die Offenheit und Toleranz aller Schüler gestärkt habe. Letztlich wären diese Erfahrungen prägend gewesen und hätten die Sichtweisen der Schüler auf andere Kulturen erweitert.
Interview mit Herrn Rikus
Im Interview berichtete Daniel Rikus, dass die vietnamesischen Boat-People an der Schule sehr lernbegierig und fleißig gewesen seien. Er würde hervorheben, dass sie den klaren Willen gehabt hätten, ihren Abschluss zu machen und sich beruflich weiterzubilden. Besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern hätten sie oft gut abgeschnitten, da viele von ihnen bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung aus Vietnam mitgebracht hätten.
Er könnte auch erwähnen, dass die Schüler im Allgemeinen offen aufgenommen worden seien, obwohl anfangs Sprachbarrieren bestehend gewesen wären. Die Kommunikation hätte sich als herausfordernd erwiesen, aber die Integration sei in den Klassenräumen und durch gemeinsame Kurse gefördert worden. Kontakte zwischen deutschen und vietnamesischen Schülern würden in den Pausen stattgefunden haben. Er berichtete auch, dass er einen vietnamesischen Flüchtling zu sich nach Hause eingeladen hat und mit ihm zusammen gekocht hat.
Herr Rikus vertritt die Meinung, dass die vietnamesischen Schüler sich relativ gut integriert hätten, trotz der Anpassungsschwierigkeiten an die deutsche Kultur und den Schulregeln. Ihr starker Wille, die Schule erfolgreich zu absolvieren, habe ihre Bemühungen um Integration unterstützt.
Insgesamt würde er die Integration der vietnamesischen Schülerinnen und Schüler als gelungen bewerten. Sie hätten zur Internationalisierung der Schule beigetragen und das Schulleben bereichert.
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